53. MPC-Wandertage in der Rhön

Das Wandern ist des Grosses Lust – Goldene Sohle für Karin Anselm

13 mpc wandertage 2018

Von Frank Ulrich Breitsprecher

Gersfeld/Rhön. Es gibt noch Zeitgenossen – auch im Motor Presse Club –, die nicht nur Freude an der Fortbewegung auf zwei oder vier Rädern verspüren, sondern auch das Überbrücken von Entfernungen mittels aufrechtem Gang auf zwei Beinen zu schätzen wissen. „Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen, nicht mit dem Autoreifen“, meinte schon der französische Schriftsteller Georges Duhamel und so sieht es wohl auch die Gruppe von 13 unverzagten Wanderern, die Chef-Organisator Horst-Dieter Grosse vom  29. September bis zum 3. Oktober 2018 nach Gersfeld, der heimlichen Hauptstadt der Rhön, einlud.

Die Rhön ist nicht gerade der Star unter Deutschlands Wanderregionen, lag sie als Zonenrandgebiet doch jahrelang eher im Schatten. Auf etwa 250 Kilometern verlief die deutsch-deutsche Grenz durch die Rhön. Sie trennte Dörfer, Freunde und Familien. Heute ist aus dem einstigen Todesstreifen längst ein Symbol der Einheit geworden. Wo Grenzanlagen trennten, verbinden heute Naturschutzgebiete und Wanderwege die Menschen. Zu Recht wirbt das Tourismusbüro mit diesen Argumenten, was die Teilnehmer umso neugieriger auf eine bisher nicht so bekannte Region machte.

Und einer bewies wieder ein ausgeprägt glückliches Händchen: Mit der Auswahl der Wanderregion und des Hotels Gersfelder Hof landete Horst-Dieter Grosse gleich mehrere Volltreffer. Schon der erste Tag machte Lust aufs Wandern. Bei herrlichem Sonnenschein – kein Wölkchen trübte den blauen Himmel – ging es über idyllische Wald- und Feldwege zum Nallenberg (768 m) vorbei am Nallensee bis nach Rengersfeld, wo wir eine verdiente Mittagspause einlegten. Hier stärkte uns beim Schützenhaus ein extra von unserem Hotel bereitgestelltes vorzügliches Picknick.

Der zweite Tag ist traditionell ein Kulturtag und der führte uns nach Fulda. Doch auch Kultur geht nicht ohne Laufen. Schon Altmeister Goethe wusste: „Nur, wo Du zu Fuß warst, bist Du wirklich gewesen.“ In die Zeit Goethes versetzte uns dann auch die Besichtigung des barocken Stadtschlosses in Fulda. Das ehemalige Residenzschloss der Fuldaer Fürstäbte wurde von dem bekannten Baumeister Dientzenhofer entworfen und zeigt, dass die Fürstäbte sich als geistliche und weltliche Macht zugleich verstanden. In den ehemaligen Wohnräumen der Fürstäbte mit der Innenausstattung aus dem 18. Jahrhundert erhielten wir einen Eindruck von fürstlicher Repräsentation und dem Leben der Barockzeit. Lebhaften Eindruck hinterließ bei uns allen die schauspielerisch begabte Stadtführerin, die die Teilnehmer aktiv in ihre Führung einbezog: So war zum Beispiel jemand Fürst und Abt zugleich, man übte den Handkuss und musste am Pranger stehen. Auf diese Weise versetzte sie uns sehr bildhaft in die Vergangenheit.

Nach einer mittäglichen Stärkung in Fulda ging es weiter – nicht zu Fuß, sondern mit Privat-Pkw – zur Mahn- und Gedenkstätte „Point Alpha“, einem ehemaligen US-Beobachtungsstützpunkt. Er war der wichtigste Vorposten der Nato an der innerdeutschen Grenze. Auf dem Gelände des ehemaligen US-Camps stehen noch immer die Baracken der Soldaten und der Beobachtungsturm. Hier zeugen original erhaltene Grenzanlagen aus den 1970er und 1980er Jahren von der Unmenschlichkeit der Teilung. Nach der Rückfahrt zum Hotel ließen wir uns dort wie am Vortag das 3-Gänge Menü schmecken.

Am dritten Tag war wieder Wandern angesagt. Doch das Hinzuziehen der verschiedensten Smartphone-Wetter-Apps verhieß nur Negatives. Es regnete, dichte und feuchte Nebelschwaden lagen auf dem Weg zur Wasserkuppe (950 m), an schönen Tagen ein Eldorado der Segelflieger. Mit Schirm, Mütze und regendichter Kleidung ausgestattet zogen die Teilnehmer unverdrossen ihre Runden Richtung Wasserkuppe, bis sie endlich das Restaurant „Peterchens Mondfahrt“ auf dem Berg erreichten. Jeder sehnte sich nun schnell zurück in die Wärme des Hotels. Dank Peter Klinkenberg, der seinen Kleinbus zur Verfügung stellte, und Horst-Dieter Grosse konnte dieser Wunsch zügig erfüllt werden.

Am letzten Tag der Abend der Abende: Bei der 53. Wanderung wurde zum 43. Mal die Goldene Sohle verliehen. Die ersten zehn Wanderungen der 1960er Jahre mussten ohne dieses herausragende Highlight auskommen. Der festliche Abend begann mit einem Aperitif auf Einladung von Michael Horstmann, dem Direktor des Gersfelder Hofs, der sich über alle Tage hinweg rührend um uns gekümmert hat und das bei einem voll ausgebuchten 60-Betten-Hotel! Er war immer präsent, hatte stets ein freundliches Wort parat, war immer besorgt um seine Gäste und wusste übrigens interessant über die Probleme seiner Branche zu berichten.

Die Spannung stieg: Wer bekommt nun die Goldene Sohle? Doch zunächst galt der Dank der Wandergruppe dem Organisator Horst-Dieter Grosse. Mit regionalen Spezialitäten bedankten sich die Teilnehmer für bestens organisierte gelungene Wandertage in der Rhön. Während des 4-Gang-Menüs wurde weiter über den nächsten Preisträger gerätselt, doch endlich lüftete Wander-Chef Grosse - nächtlichen Eingebungen folgend - das Geheimnis: Karin Anselm, schon mehr als zehnmal beim Wandern dabei, ist die Preisträgerin des Jahres 2018. Ihr Name wird nun mit weiteren 42 eingravierten Namen den Wanderpokal zieren, ein schönes Zeugnis unserer Clubgeschichte. Die Wandergruppe freut sich schon aufs nächste Jahr und hofft auf mehr Zuspruch aller Mitglieder – getreu dem Motto: „Viel wandern macht bewandert!“

 

Fotos von Bernd Ebener-Löwer:

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